Grünberg – An der Gallus-Schule ist aus einem unscheinbaren Klassencontainer ein farbenfrohes Kunstwerk geworden. Schülerinnen und Schüler der BO4 haben im Rahmen eines dreitägigen Graffiti-Workshops gemeinsam mit dem international tätigen Künstler Thomas Lamadieu ihren Klassenraum gestaltet. Finanziell unterstützt wurde die Aktion von „Startschuss fürs Leben“. Dass ausgerechnet Graffiti zum Thema wurde, hat auch mit der aktuellen Klassenlektüre zu tun. Die Schülerinnen und Schüler der BO4 beschäftigen sich mit dem Buch „Die Mutprobe“, in dem unter anderem ein Mädchen gemeinsam mit einer Bande unerlaubt Graffiti sprüht. Klassenlehrerin Monika Hotte nahm diesen Gedanken auf – und lenkte ihn in eine andere Richtung: Warum nicht selbst zur Spraydose greifen und kreativ werden, allerdings legal und unter fachkundiger Anleitung? Bevor es an die Containerwände ging, entwickelten die Jugendlichen ihre eigenen Ideen und brachten diese zunächst zu Papier.
Schulleiterin Silvia Christen sowie der Landkreis Gießen gaben den Container für die Aktion frei. Nachdem die Schülerinnen und Schüler ihn mühevoll gereinigt, abgeschliffen, entrostet und grundiert hatten, übernahm Thomas Lamadieu die künstlerische Leitung. Der Kunstschaffende, der mit seinen Arbeiten weltweit ausstellt und unter anderem mit Sky Art berühmt wurde, gab den Jugendlichen zunächst anhand der Grundrisse vor, welche Bereiche wie gestaltet werden konnten. Er zeigte, wie mit der Spraydose gearbeitet wird, wo gesprüht werden durfte und worauf bei der Gestaltung zu achten war. Danach konnten die Schülerinnen und Schüler selbst loslegen.
Und das taten sie mit sichtbarer Begeisterung. Nach und nach verwandelten sich die zunächst kahlen Wände in eine farbenfrohe Landschaft. Auf einer Seite entstand eine Tag-Landschaft mit dem Schriftzug „Willkommen“, auf der gegenüberliegenden Seite ist eine nächtliche Szenerie mit einem Sternenhimmel zu sehen. Lamadieusetzte schließlich mit seinem eigenen künstlerischen Blick noch Akzente und verlieh dem Gemeinschaftswerk den letzten Schliff. Für die Jugendlichen war die Aktion mehr als nur ein bisschen Farbe an der Wand. Sie konnten eigene Ideen einbringen, gemeinsam an einem großen Projekt arbeiten und am Ende sehen, was daraus entstanden ist. Entsprechend groß ist der Stolz auf den neu gestalteten Container. Auch für die übrigen Schülerinnen und Schüler der Gallus-Schule ist das Ergebnis sichtbar: Der Container wirkt nun bunt, offen und einladend. „Es war schön zu sehen, mit wie viel Begeisterung und Freude die Schülerinnen und Schüler bei der Sache waren“, sagt Klassenlehrerin Monika Hotte. Aus der Unterrichtsidee ist damit ein Projekt geworden, das weit über den Klassenraum hinaus Wirkung zeigt.
Und dabei soll es nicht bleiben. Der nächste Container steht bereits auf dem Plan. Auch diesen möchte Thomas Lamadieu gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern gestalten. Möglich gemacht wird die Aktion durch „Startschuss fürs Leben“, eine Initiative, die sich für Projekte mit Kindern und Jugendlichen engagiert. Michael Kosmider, Inhaber des Radwerks Grünberg, Gründer und treibende Kraft hinter „Startschuss ins Leben“ sowie Mitglied der SPD Grünberg, zeigte sich zuversichtlich, dass auch für die Gestaltung des zweiten Containers wieder finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden können. So dürfte an der Gallus-Schule schon bald erneut zur Spraydose gegriffen werden – und aus einer weiteren grauen Fläche ein Stück sichtbare Schülerkunst entstehen.